Eine Sternstunde erleben

Mein Warten, dass neun Monate dauerte, verdichtete sich. Durch heftige Schmerzen, die ich kaum aushielt wurde mir ein Zeichen gegeben, bald werde ich Mutter sein. Die schmerzhafte Geburt stand noch zwischen meinem Kind und mir. Wir mußten sie bewältigen, mein Kind, mein Mann, ich. Für mich wurde mein Kind in diesen Stunden das Wichtigste und Bedeutendste. Es war, als ob die Welt stillstünde für mein Kind, als ob sie schweigen würde, als ob sie darauf wartete, mein Kind zu empfangen.

Die Geburt begann.

Die Wehen bäumten sich in mir auf und ließen wieder nach. Kurze Ruhephasen wurden meinem Kind und mir gegönnt. Es blieb nur Annehmen und Geschehenlassen. Das fiel mir sehr schwer und verlor den Mut und die Kraft. Die Schmerzen nahmen zu und hielten mich gefangen, ich wollte nicht mehr und vergaß, wozu er da war, ja ich vergaß sogar für Augenblicke mein Kind und ich erschreckte darüber. Doch dann fühlte ich mich von guten Menschen gehalten und wurde wieder frei für mein Kind.

Mein Kind drängte aus mir. Es sprengte, dem Zerreißen nahe und ich schreite. Wir alle die im Kreissaal waren, standen mitten im Augenblick der Geburt meiner Tochter. Mich erdrückten Anstrengungen, Schmerzen, Müdigkeit und Angst.

Es war, als ob eine weitere Ruhe sich breit machte und das die starre Mauer sich zu einem seidenen Tuch verwandelt hätte.

Noch nie hatte ich einen Augenblick sehnlicher erwartet.

Noch nie hatte ich Stunden schmerzlicher erlitten.

Noch nie hatte ich einen Augenblick befreiter erlebt.

Noch nie hatte ich einen Augenblick tiefer geliebt.

Noch nie hatte ich einen Augenblick ehrlicher gedankt.

In den Augenblicken und Stunden wurde meine Tochter geboren.

                                                                                            ©Sabine

 

 

 

 

 

 



 



 



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